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Forex-Schule Kapitel 7: Volatilität

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Volatilität

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Volatilität beschreibt die Schwankung zwischen Höchst- und Tiefpreis innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Ohne Volatilität gibt es auch kein Profit. Wenn der EURCHF Kurs sich den ganzen Tag nur zwischen 1.3420 und 1.3440 bewegt, ergeben sich kaum Profitmöglichkeiten. Fällt der Preis aber am Morgen von 1.3420 auf 1.3200 und klettert dann am Nachmittag zurück auf 1.3420 liegen in diesen Bewegungen etliche Pips an Profit drin. Gleichzeitig erhöht sich mit starken Preisbewegungen aber auch das Risiko, daher ist Volatilität ein doppelschneidiges Schwert.

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Betrachten sie auf diesem Chart die unterschiedliche Länge der Candles in der blauen und in der gelben Zone. In der blauen Zone finden sich keine wirklichen grossen Candles, und es gibt ganze Cluster von sehr kleinen Candles; dann plötzlich werden sie länger (gelbe Zone). Die Volatilität ist markant gestiegen.

Je nach Handelssystem und Risikotoleranz werden stärkere oder schwächere Bewegungen benötigt. Die Wahl auf welche Währung oder welches Währungspaar man setzt, kann stark von der Volatilität abhängen, denn unterschiedliche Währungen haben unterschiedliche Volatilitäten. Da der Forex-Markt 24 Stunden am Tag operiert, hat auch die Tageszeit einen fundamentalen Einfluss auf die Währungsmarkt-Volatilität. Je mehr wichtige Finanzzentren zur gleichen Zeit geöffnet sind, desto grösser ist das Potenzial für starke Schwankungen. Die geringste Volatilität setzt normalerweise nach Schluss der grossen Amerikanischen Finanzplätze ein; dann dauert es mehrere Stunden bis in Asien ein neuer Handelstag beginnt, was neue Volatilität in den Markt bringt.

Es gibt verschiedene Indikatoren die Volatilität messen. Zwei die wir uns hier ansehen werden sind Bollinger Bänder und ATR (Average True Range).


Bollinger Bänder

Bollinger Bänder wurden in den 1980er Jahren von John Bollinger entwickelt. Das nach ihm benannte Verfahren misst die dynamische Volatilität des Marktes. Bollinger selbst nannte den Indikator ursprünglich Volatilitäts-Bänder. Bollinger Bänder bestehen aus drei Kurven die relativ zum Preis gezeichnet werden. Die mittlere Kurve ist üblicherweise ein 20 Perioden Moving Average (gleitender Durchschnitt). Dazu kommen zwei weitere Bänder die normalerweise mit einer Standardabweichung des Faktors 2 errechnet werden und den Preis umhüllen. Bei einer Standardabweichung von 2 umschliessen die Bänder ca. 95% des Preises.

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Die äusseren Bänder sind dynamisch. Bei erhöhter Volatilität weiten sie sich aus, und bei verringerter Volatilität ziehen sie sich zusammen.

Bollinger Verengung
Vor starken Preisbewegungen kommt es manchmal zu Perioden von extrem geringer Volatilität. Wenn Volatilität später zurückkehrt, dann oft mit starken Preisausschlägen. Bollinger Bänder zeigen diese Perioden extrem verringerter Volatilität durch sichtbare Verengung der Bänder an.

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Das Erscheinen von Bollinger Verengungen kommt einem warnenden Signal gleich: „Achtung, gleich geht es los“.


ATR (Average True Range)

Ein weiterer Indikator, der Volatilität misst, ist ATR (Average True Range). Entwickelt wurde dieser Indikator von Welles Wilder und in seinem Buch "New Concepts in Technical Trading Systems" vorgestellt, ein Klassiker in der technischen Analyse. ATR wird seither oft in Verbindung mit anderen Indikatoren verwendet.

ATR misst die durchschnittlichen Kursschwankungen der letzten n Tage. Wilders empfiehlt n auf 14 zu setzten, was ungefähr einem halben Monat entspricht. In den meisten Handelsplattformen ist 14 die Standardeinstellung.

True Range oder die Wahre Schwankung ergibt sich aus der grössten Zahl der drei folgenden Berechnungen:

1. True Range = Unterschied zwischen dem momentanen Maximum und Minimum (Hoch und Tief).

2. True Range = Unterschied zwischen dem vorherigen Schlusspreis und dem momentanen Höchstpreis

3. True Range = Unterschied zwischen dem vorherigen Schlusspreis und dem momentanen Tiefpries.

ATR ist ganz einfach der Durchschnitt des errechneten True Range über n Perioden.

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Auf diesem Chart ist ersichtlich, wie ATR mit grossen Preisbewegungen ansteigt, und abschwächt oder fällt, wenn die Bewegungen kleiner werden. Es ist wichtig zu beachten, dass, wenn der ATR steigt, dies nicht automatisch bedeutet, dass auch der Preis steigt, sondern nur, dass der Kurs grössere Bewegungen vollzieht. ATR kann auch bei fallendem Kurs ansteigen.


Währungspaare Vergleich mit ATR

Im Indikatoren-Fenster ist neben ATR(14) eine Zahl sichtbar. Auf dem oberen EURGBP Chart ist es 0.0071. Diese Zahl bedeutet, dass die durchschnittliche Kursbewegung der letzten 14 Tage 71 Pips betrug. Hiermit haben wir ein ideales Werkzeug, um die Volatilität verschiedener Währungspaare zu vergleichen.

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Hier ein ATR Vergleich von vier Währungen gegen den USD.

EURUSD: 0.0140
USDJPY: 0.8507 = 0.0085 *
GBPUSD: 0.0120
AUDUSD: 0.0104

*(JPY werden nur 2 Stellen nach dem Komma gehandelt, daher muss die Zahl um zwei Stellen nach rechts verschoben werden)

EURUSD ist mit 140 Pips in einer volatileren Phase als die anderen 3 Währungspaare. USDJPY weist mit 85 Pips die kleinste Volatilität auf. Vergleiche wie dieser geben Aufschluss darüber, welche Währungen zur Zeit lukrativer zum Handeln sind als andere. Manche Handelssysteme sind allerdings nicht für zu volatile Situationen geeignet. Solche Vergleiche helfen, Währungen mit der idealen Volatilität für jedes Handelssystem herauszufiltern.


ATR für Stop Loss

Auch für das Setzen von Stop Loss kann ATR verwendet werden. Volatilere Währungspaare benötigen einen grösseren Stop Loss als weniger volatile Paare. Manche Händler setzten den Stop Loss nach ATR, oder nach einem Bruchteil des ATR. Ein System, welches den Stop Loss nach 50% des ATR setzt, würde mit den oberen Daten für USD ein Stop Loss von 70 Pips setzten (140/2=70); für AUDUSD wären es 52 Pips (104/2=52).


Mehr zum Thema Stop Loss und ATR im Kapitel Money Management. Weiter »