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Forex-Schule Kapitel 6: ELLIOTT WAVE THEORIE

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Elliott Wave Theorie

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Ralph Neslon Elliott (1871-1948) ist eine zentrale Figure in der Welt der technischen Analyse. In den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts erkannte er nach jahrelangem Studium von Börsenkursen, dass Kurse nicht zufällig und chaotisch steigen und sinken, sondern dass ihre Bewegungen nach wellenförmigen, mathematischen Zyklen verlaufen, die sich von Zeit zu Zeit wiederholen. Die Zyklen und Wellen widerspiegeln die Emotionen der Masse der Investoren und Spekulanten. Die Auf-, und Abwärtsbewegungen der Massenpsychologie zeigen sich immer in den gleichen Mustern und sind am Kursverlauf ersichtlich. Wellen von Expansion und Depression lösen sich ständig ab. Eine Expansion oder ein Aufwärtstrend, wird immer durch eine Depression oder einen Abwärtstrend korrigiert. Laut Elliott unterliegen alle menschlichen Aktivitäten den gleichen rytmischen Zyklen, aber dort wo die breite Masse partizipiert und Schwankungen statistisch erfasst werden (z. B. in Finanzmärkten), sind die Bewegungen viel leichter ersichtlich.


Das 5 – 3 Wellenmuster

Die Grundlage für die Elliott Wave Theorie ist das 5 – 3 Wellenmuster. Eine Expansionsphase oder ein Aufwärtstrend besteht aus fünf Wellen (1,2,3,4,5) und wird Impulswelle genannt. Eine nachfolgende Depressionsphase oder ein Abwärtstrend setzt sich aus drei Wellen (a,b,c) zusammen und heisst Korrekturwelle.


Impulswelle

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Welle 1, 3 und 5 des Aufwärtstrends bewegen sich in Richtung des Trendes, Welle 2 und 4 in die Gegenrichtung. 1, 3 und 5 sind selbst kleinere Impulswellen die den Trend vorantreiben, 2 und 4 sind Korrekturwellen welche die vorherige Welle korrigieren. Impulswellen sind normalerweise von grösserem Ausmass als Korrekturwellen.
Gemeinsam machen diese fünf Wellen eine grössere Impulswelle aus. Jede der fünf Wellen widerspiegelt ein Segment der Massenpsychologie.

Welle 1
Die erste Phase einer neuen Expansionsbewegung kommt zu Stande, wenn eine Gruppe von Investoren und Händlern den Wert eines Finanzproduktes als billig betrachtet und zu kaufen beginnt. Es spielt keine Rolle, ob es sich hier um Devisen, Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Wirtschaftskreisläufe (Wachstum, Rezession) oder sonst ein frei handelbares Produkt handelt – es könnten auch Briefmarken sein; das Wellenmuster ist immer das gleiche. In dieser ersten Phase ist die Partizipation meist noch gering. Oft sind es Insider oder gut informierte Investoren, die hier eine Chance wittern und den Kurs ansteigen lassen.

Welle 2
Mittlerweile ist der Kurs so stark angestiegen, dass der Preis als überteuert angesehen wird. Die Investoren der ersten Phase sichern ihre Profite ab und verkaufen, was den Kurs nach unten treibt. Allerdings wird der Preis wieder als billig bewertet bevor er auf den ursprünglichen Ausgangspunkt zurückfällt.

Welle 3
Phase 3 ist oft die ausgeprägteste und stärkste Welle. Die Massen haben mittlerweile Lunte gerochen, dass hier etwas im Gange ist und wollen auch ein Stück vom Kuchen. Der Kurs erhält zunehmend Momentum als mehr und mehr Investoren einsteigen. Diese Welle überschreitet normalerweise das Hoch von Welle 1.

Welle 4
Diese Welle ist oft eher schwach, da die Masseneuphorie voll im Gange ist, und immer noch viel gekauft wird. Trotzdem kommt es zu einer Korrektur, da der Preis mittlerweile wieder als teuer eingestuft wird und eine grosse Anzahl von Investoren auch verkaufen, wenn auch nur, um wieder einzusteigen, sobald der Preis etwas nachlässt.

Welle 5
Welle 5 ist die Phase, welche die Massen am Meisten anzieht und von überschwänglicher Euphorie angetrieben wird. Der Kurs erreicht immer neue Höchstwerte, alle wollen dabei sein. Das Finanzprodukt oder die dahinterstehende Firma ist ständig in den Nachrichten und wird von allen Seiten gepriesen. Die neuen Höchstwerte haben in dieser Phase am wenigsten mit „effektivem“ Wert zu tun. Gut informierte Investoren welche erkennen, dass das Verhältnis zwischen „Wert“ und „hochgejubeltem Preis“ völlig aus den Fugen geraten ist, beginnen langsam ihre Positionen zu schliessen und verabschieden sich leise, oder beginnen sogar in die Gegenrichtung zu spekulieren. Schlussendlich platzt die Euphorieblase und eine grosse Korrekturwelle beginnt, welche den Preis wieder näher zum realen Wert bringt.


Korrekturwelle

Die Korrekturphase dauert meist weniger lange als die Aufbauphase, da es in allen Lebensbereichen leichter ist, etwas zu zerstören als es aufzubauen. Daher besteht eine Korrekturwelle auch nur aus drei Wellen (a,b,c).

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Wellen „a“ und „c“ verlaufen mit dem Abwärtstrend und bringen den Abwärtstrend voran. Sie sind daher Impulswellen innerhalb des Abwärtstrends. „b“ ist eine Korrekturwelle, die wie alle Korrekturwellen, gegen den Haupttrend verlaufen. Wie weit die a,b,c Welle den Preis korrigiert, variiert stark. Manchmal sind es 100% der Hauptimpulswelle bis zum Ausgangspunkt von Welle 1. Oft ist die Korrektur jedoch nicht so drastisch, und am Ende von Welle „c“ hat der Preis nur einen Teil des Wertes der Hauptimpulswelle verloren, bevor ein neuer Boom mit einer neuen grossen Impulswelle beginnt.


Nochmals als Zusammenfassung: eine Impulswelle besteht aus drei kleineren Impulswellen und 2 Korrekturwellen. Eine Korrekturwelle besteht aus zwei Impulswellen (a,c) in Richtung der Korrektur und 1 Korrekturwelle (b) welche Welle „a“ korrigiert. Dies ist die Grundlage der Elliott Wave Theorie und sie bezieht sich genau so auf individuelle Finanzprodukte wie auf Indexe (Dow Jones, DAX, SMI; S&P 500...) und die Bewegung der Wirtschaft als ganzes.


Wellen innerhalb von Wellen

Jede Welle, egal ob Impuls oder Korrektur, besteht aus kleineren Wellen, welche aus noch kleineren Wellen zusammengesetzt ist. Grössere Wellen sind wiederum Bestandteile von noch grösseren Superwellen.

Hier die Wellen der oberen Grafik unterteilt in ihre Bestandteile.

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Impulswellen 1, 3, 5, A und C bestehen aus fünf Unterwellen, Korrekturwellen 2, 4 und B aus drei Unterwellen.

Auch die Unterwellen sind eine Anreihung von noch kleineren Impuls- und Korrekturwellen. Wenn wir uns zum Beispiel Welle 1 genauer ansehen, bemerken wir drei Impulswellen, die ebenfalls aus fünf noch kleineren Mini-Wellen bestehen, sowie zwei Korrekturwellen, die aus drei kleineren Wellen zusammengesetzt sind. Unterwellen werden in römischen Zahlen und Kleinbuchstaben angegeben.

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In der folgenden Grafik zoomen wir näher an Welle 1 und 2 heran und sehen, dass die aus römischen Zahlen und Kleinbuchstaben bestehenden Wellen eine Anreihung noch kleinerer Mini-Wellen sind.

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Je kürzer die Zeitspanne des verwendeten Charts, desto kleinere Wellen können erkannt werden. Die grossen Hauptzyklen sieht man auf Jahres- oder Monats-Charts, mittelfristige Wellen auf Wochen-Charts. Um kurzfristigere Wellen zu erkennen, müssen Tages- oder Stunden-Charts verwendet werden.


Live Beispiel

Während ich an diesem Artikel arbeitete, befand sich der Preis auf der EUR/USD Tageschart in einer Korrekturphase nach einer 5-teiligen Impulswelle.

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Die einzelnen Wellen können weiter unterteilt werden (I – V, a-c).

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Der momentane Preis befindet sich genau in einer Support Zone, daher kann man damit rechnen, dass Welle B aus dieser Zone entstehen wird. Auf jeden Fall befindet sich der Kurs offensichtlich in einer Korrekturphase, was nach 5 Wellen einer Impulswelle laut Elliott Wave Theorie zu erwarten ist. Die auf der oberen Chart eingezeichnete Impulswelle ist ein sehr schönes Beispiel. Die Wellen werden nicht immer so leicht ersichtlich sein. Mit Praxis und Erfahrung kann das Ganze aber leichter werden.

Das Thema Elliott Wave ist sehr komplex. Dieser Artikel dient nur als Einführung. Wer sich weiter in das Thema vertiefen möchte, dem empfehle ich, sich die Arbeiten von Robert Prechter vertraut zu machen. Er ist einer der berühmtesten Autoren auf diesem Gebiet und befasst sich mit der Studie von R.N. Elliott’s Theorie seit vielen Jahrzehnten. Die englische Webseite seiner Organisation „Elliott Wave International“ finden sie hier.

Von seinen zahlreichen Büchern und Schriften wurden folgende auf Deutsch übersetzt.


Einer der grossen Vorteile des Devisenhandels ist die Volatilität, also schauen wir und dieses Thema etwas genauer an. Weiter »