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Forex-Schule Kapitel 5: INDIKATORN

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Moving Average Signale

Moving Averages können signalisieren, dass ein Trend beginnt oder zu Ende ist. Als Signale werden sie Teil für Ein- oder Ausstiegspunkte.

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Hier ein 50 Perioden Moving Average. Als der Preis Ende September den MA überquert, beginnt ein Long Trend der bis Ende Oktober anhält. Das Überschreiten des Preises über oder unter den MA geben potenzielle Signale. Beim Signal Ende Septemer hätte eine Long Position eröffnet werden können, welche beim Signal Ende Oktober mit grossem Profit geschlossen worden wäre. Allerdings kommen solche ideale Situationen, in denen ein Mittelfristiger MA den Preis nur am Anfang und Ende eines Trendes berührt, eher selten vor. Der folgende Chart zeigt ein realistischeres Bild, welches bei weiterm öfters vorkommt.

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Auch hier haben wir einen Long Trend, aber der Preis überschreitet oder berührt den 50 MA mehrmals, ohne dass der Trend sich wendet. Jede Überquerung oder Berührung ist ein potenzielles Signal, und wir hätten möglicherweise mehrmals zu früh reagiert und die Position geschlossen, obwohl der Trend noch lange nicht zu Ende war. Jede dieser voreiligen Berührungen gibt also ein falsches Signal. Diese falschen Signale werden „whipsaws“ genannt. Da der Kurs auch während starken Trends trotzdem immer wieder kurzfristig Moving Averages überquert, sind solche falsche Signale ein dauerhaftes Problem. Ein leichter Weg diese zwar nicht zu eliminieren, aber zumindest zu verringern ist das Zufügen eines zweiten MAs.

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Hier sehen wir den gleichen Chart, aber neben dem 50 MA wurde ein blauer 10 Perioden Moving Average dazugefügt. Als Signale verwenden wir nun nicht mehr das Überschreiten des Preises mit dem MA, sondern das Kreuzen der beiden MA’s. Wenn der kürzere MA den längeren MA von unten nach oben überquert (A), entsteht ein Long Signal. Wenn der kürzere MA den längeren von oben nach unten überquert (B), entsteht ein Short Signal. Nun haben wir nur noch zwei Signale (A und B), die whipsaws wurden ausgefiltert.

Dies ist ein sehr beliebte Art Signale zu generieren. Die Länge der MAs variiert je nach Händler, obwohl die hier verwendete Paarung 10 MA und 50 MA sicher oft verwendet wird. Kürzere Paare mit kleineren Abständen zwischen einander regenerieren Signale schneller, aber filtern weniger falsche Signale aus. Längere MA’s mit grösseren Abständen zwischen einander geben Signale später, aber produzieren dafür auch weniger whipsaws.

Eine noch konservativere Variante generiert Signale mit dem Kreuzen von drei MAs.


In der Technischen Analyse gibt es nicht nur eine Art von Moving Average, sondern verschiedene. Jede Art hat Vor- und Nachteile. Die wichtigsten beiden Varianten sind Simple Moving Average (SMA) und Exponential Moving Average (EMA).


Simple Moving Average (SMA)

Ein Simple Moving Average (Einfacher gleitender Durchschnitt) entsteht aus dem Zusammenzählen der Schlusspreise der letzten „x“ Zeitperioden, und dem Teilen des erhaltenen Resultats durch „x“.

Dazu ein Beispiel. Um einen 15 Tage Simple Moving Average zu berechnen, werden die Schlusspreise der letzten 15 Candles auf einem Tages-Chart zusammengezählt. Das Resultat wird nun durch 15 geteilt und wir erhalten den Durchschnittlichen Schlusspreis der letzten 15 Tage. Bei einem Stunden-oder Minuten-SMA würde man genau gleich vorgehen, ausser dass man einen Stunden- oder Minuten-Chart verwenden würde.

Auf dem Chart wird dieser Durchschnittspreis nun als Punkt vermerkt. Am Ende des nächsten Tages wird die gleiche Rechnung wieder ausgeführt. Allerdings wird der älteste der 15 Schlusspreise entfernt, und der Schlusspreis des neuen Tages dazugezählt. Nun haben wir die neusten 15 Schlusspreise und erhalten beim Teilen durch 15 einen aktuelleren Durchschnittspreis. Der neue Preis wird wiederum auf dem Chart als Punkt registriert, und mit dem vorherigen Punkt verbunden. Solche Durchschnittspreise kann man nun für alle Candles berechnen, und erhält daraus eine Durchschnittspreislinie die sich über den gesamten Chart streckt. Der allgemeine Trend ist aus dieser Linie leicht ersichtlich, kurzfristige extreme Preisschwankungen werden ausgeglättet.

Selbst berechnen muss man die Moving Averages nicht, dazu ist die Chart-Software da. Allerdings sollte man verstehen, wie sie berechnet werden.


Whipsaws

Wie im Kapitel Trendlinien bereits erwähnt, kann der Preis Support oder Resistance kurzfristig überschreiten, ohne dass sich der eigentliche Trend ändert. Da auch MAs als Support oder Resistance fungieren können, kommen whipsaws oder falsche Signale auch hier sehr oft vor.

Kürzerfristige Simple Moving Averages ragieren schneller auf Richtungsänderungen des Kurses. Allerdings generieren sie auch viel zu schnell falsche Signale. Oft sind Richtungsänderungen nur temporär über ein paar wenige Candles, bevor sich der Haupttrend fortführt. Sie könnten uns dazu verleiten anzunehmen, dass der momentane Trend vorbei ist, und der Kurs eine neue Richtung eingeschlagen hat. Durch die ständigen Kursschwankunge kommen solche falschen Alarme sehr oft vor. Wenn wir neben den kurzen auch längerfristige SMA‘s verwenden, erhalten wir sofort ein klareres Bild. Längere SMA reagieren nur wenig oder gar nicht auf falsche Alarme. Allerdings reagieren sie auch langsamer auf echte Trendänderungen, daher kann man sich auch nicht alleine auf lange SMA verlassen. Genau hier liegt das Hauptproblem des Simple Moving Averages. Beim berechneten Durchschnitt handelt es sich halt immer nur um einen Durschnitt dessen, was schon passiert ist – eine Verzögerung ist leider immer Vorhanden.


Schwachpunkt des SMA

Alles in allem ist der SMA kein besonders guter Indikator, um zukünftige Preisentwicklungen vorauszusagen. Da bei der Berechnung vom ersten bis zum letzten Schlusspreis alle Periodeeinheiten gleich Gewichtet werden, reagiert der SMA eher langsam auf neue Trendentwicklungen. Sein Hauptnutzen liegt darin, einen bestehenden Trend zu bestätigen. Es gibt aber einen weiteren Moving Average der schneller auf Richtungsänderungen reagiert, der Exponential Moving Average.


Exponential Moving Average (EMA)

Beim Exponential Moving Average (Exponentieller gleitender Durchschnitt) erhalten die neusten Schlusspreise mehr Gewicht beim Berechnen des Durchschnitts. Ältere Schlusspreise werden weniger stark bewertet. Bei einer plötzlichen Richtungsänderung reagiert der EMA dadurch schneller, da die Preise der letzten Perioden schwerer wiegen.

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Auf diesem Chart haben wir zwei 50 Perioden Moving Averages, einen Simplen (SMA/orange) und eine Exponenziellen (EMA/blau).

Beobachten Sie, wie der Exponential Moving Average (EMA) schneller auf Preisveränderungen reagiert und sich näher dem Preis entlang bewegt.

Beide Moving Averages haben Vor- und Nachteile. Der EMA zeigt Trend-Wende Signale schneller an, und je früher man in einen neuen Trend einsteigt, desto grösser das Gewinnpotenzial. Andererseits besteht beim EMA auch die grössere Gefahr für whipsaws oder falsche Alarme. Der langsamer reagierende SMA vermindert die Chance, auf vermeintliche falsche Trends reinzufallen. Allerdings verpasst man beim SMA auch mögliche Gewinne, da man echte Trends manchmal erst verspätet erkennt. Deshalb sollte man sich nicht nur auf den einen oder anderen Verlassen, sondern Kombinationen verwenden. Zum Beispiel ist ein langer SMA ideal für Trendbestätigungen, während ein kürzerer EMA gute Einstiegsmöglichkeiten anzeigen könnte.


Ein weiterer Spätindikator mit dem wir uns befassen ist der MACD (Moving Average Convergence Divergence). Weiter »