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Forex-Schule Kapitel 5: INDIKATORN

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Relative Strength Index (RSI)

Der Relative Strenght Index (Relative Stärke Index) vergleicht das Verhältnis der vergangen x Tage, die über dem Anfangspreis schlossen, mit den Tagen, die unter dem Anfangspreis endeten. Gibt es mehr Tage, die höher schliessen, steigt der RSI Index; bei einer Mehrheit von tieferen Tagen, fällt er. RSI ist sehr ähnlich wie Stochastics, indem auch dieser Indikator Overbought- und Oversold-Konditionen im Markt identifiziert. Auch hier fallen die Werte innerhalb einer Skala von 0 bis 100. Als Overbought zählt die Zone über 70, als Oversold diejenige unter 30. Eine weitere Linie markiert den Ausgleich zwischen den Extremen und fällt genau auf 50. RSI über 50 ist eine Bestätigung für einen steigenden Trend, RSI unter 50 für einen fallenden.

RSI mit kürzeren Zeitspannen reagieren schneller und erreichen Overbought und Oversold früher. Die Standardeinstellung ist normalerweise 14, kann aber frei verändert werden. Je nach Markt oder Währungspaar lohnt es sich, für einen kürzerfristigeren RSI die Oversold Zone von 30 auf 25 oder 20 zu verschieben, und die Overbought Zone von 70 auf 75 oder 80. Ansonsten erreicht eine kurzfristige RSI Linie diese Zonen zu schnell. Wie alle Oscillators ist auch der RSI eher geignet für Situation in denen sich der Kurs seitwärts bewegt. Während Aufwätstrends bleibt die RSI Linie meist zu lange in der Overbought Zone, und während Abwärtstrends oft zu lange in der Oversold Zone.

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Am 3. Und 4. Februar 2009 bewegte sich der USD/JPY Kurs fast ständig zwischen 89.75 und 88.75. RSI erreichte Overbought/Oversold-Zonen an den Tiefst-/ Höchstpunkten der Preisschwankungen. Mögliche Einstiegspunkte wurden signalisiert, als der RSI die Overbought/Oversold -Zonen wieder verliess und zurück über 30 kletterte oder unter 70 fiel.


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In diesem starken Long Trend befindet sich RSI fast die Hälfte der Zeit im Overbought über 70 und erreicht die Oversold Zone nie. Gute Einstiegssignale werden nicht generiert, da es zu keinen deutlichen Preisschwankungen kam; der Preis bewegte sich fast ausschliesslich in einer Richtung. Am 18. Dezember fällt der Kurs zum ersten Mal unter 50 – ein deutliche Warnung, dass der Aufwärtstrend möglicherweise zu Ende ist.


Abweichung (Divergence)

Genau wie Stochastics zeigt auch RSI Abweichungen zum Preis auf.

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Auf dem Preischart erreicht der Kurs in Zone B ein neues Tief. RSI bestätigt bei b dieses neue Tief jedoch nicht, sondern bewegt sich deutlich über Zone a. Wie immer ist diese Abweichung noch kein eigentliches Einstiegszeichen, sondern nur eine Warnung. Eine weitere Bestätigung für die Schwäche im Abwärtstrend kam, als RSI über 50 stieg (d). Das eigentliche Handelssignal kam dann, als der Kurs die Trendlinie durchbrach.


Trendlinien

Trendlinien können nicht nur auf Preischarts gezeichnet werden, sondern auch direkt auf Indikatoren.

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In der ersten Hälfte des Jahres 2008 fungierte 1.9400 als zuverlässiger Support für GBP/USD. Die Supportlinie ist aber nicht nur im Preis ersichtlich, sondern auch im RSI Indikator. Anfang August durchbrach RSI zum ersten Mal die Supportlinie (A). Während dieser Zeit befand sich der Preis allerdings noch deutlich über seiner Supportlinie. Erst einige Tage später folgte der Preis und durchbrach Support ebenfalls (B) - es folgte ein starker Abwärtstrend. Der Indikator gab also eine frühe Warnung, dass das Momentum zu fallen beginnt. Genau für solche Situationen sind Oszilatoren ideal, und genau deshalb werden sie „führende Indikatoren“ genannt. Abweichungen und Trendlinienbrüche erscheinen in Indikatoren oft zuerst, und werden erst später im Preis bestätigt.

Als der RSI die Supportlinie bei A überquerte, galt das aber noch nicht als Verkaufssignal. Dieses kam erst, als der Kurs unter seine eigene Supportlinie fiel (B). Dies ist eine der wichtigsten Regeln beim Handeln.

Der Preis muss den Indikator bestätigen. Das Kauf-, Verkaufsignal kommt vom Preis, nicht vom Indikator.

Der Indikator gibt nur eine Warnung: Vorsicht, da braut sich eine mögliche Veränderung zusammen. Ein vergleichbares Beispiel ist das plötzliche Erscheinen von dunklen Wolken am Himmel – sie künden Regen an. Die Wolken alleine sind aber noch kein Garant dafür, dass es tatsächlich regnen wird; vielleicht verziehen sie sich ja auch wieder. Erst wenn die Tropfen fallen, ist der Regen bestätigt. Auf dem Chart sind Indikatoren nur die Wolken, der effektive Regen erscheint nur im Kurs selber. Wenn wir diese Beispiel auf dem oberen Chart übertagen, sind die roten Supportlinien vergleichbar mit einer langen sonnigen Periode. Bei A kommen plötzlich dunkle Wolken auf – eine mittelfristige Supportlinie hat nicht mehr gehalten. Bei Punkt B beginnen dann die Tropfen zu fallen - erst jetzt haben wir die Bestätigung, dass die sonnige Periode wirklich zu Ende ist. Wir wissen zwar noch nicht, wie lange der Regen anhalten wird, aber er hat zumindst begonnen - wir haben ein Signal zum Handeln.

Wenn aber B vor A gekommen wäre und der Kurs die Supportlinie zuerst durchbrochen hätte, der RSI aber noch über der eigenen Trendlinie gewesen wäre, dann wäre das Signal ein sehr schwaches gewesen. Es hätte darauf hingedeutet, dass das Momentum noch nicht so stark nach unten zeigt, und dass der Ausbruch unter 1.9400 möglicherweise nicht besonders stark ausfallen wird, oder bald zurückschnellt. Es wäre vergleichbar mit Regen, obwohl es im Moment nur wenige Wolken hat – dann sind es meist nur ein paar Tropfen.

Die Trendlinien müssen in den Indikatoren übrigens nicht den gleichen Winkel wie im Preis haben. Im oberen Beispiel verlaufen die Trendlinien paralell, auf dem nächsten Chart jedoch nicht. Die Bedeutung ist aber die gleiche.

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Auch auf diesem Chart erschien der Trendlinienbruch erst auf dem Indikator und wurde erst später vom Preis bestätigt.


Falsche Signale

Um nochmals zu verdeutlichen, dass nichts als absolut angesehen werden kann: hier ein Beispiel in dem ein vermeindliches Signal gar keines ist.

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Am 28. Januar überquert der RSI die Resistancelinie. Der Kurs erreicht seine Resistancelinie dann am 29. Januar. RSI liegt mittlerweile ein gutes Stück über Resistance und überquert 50 – dunkle Wolken ziehen auf, ein starkes Signal scheint gegeben. Der Kurs stockt aber an der Trendlinie und vermag sie nicht deutlich zu durchbrechen. Eine grüne Candle schliesst zwar etwas darüber, aber die nächste Doji Candle warnt, dass die Kraft der Käufer bereits gebremst ist. Danach geht’s wieder zurück unter die Trendlinie. Es lohnt sich also, immer auf einen deutlichen Ausbruch des Preises zu warten, und nie nur anhand von Indikatoren zu handeln.


Parabolic SAR (Stop and Reverse)

Die Hauptaufgabe der Indikatoren besteht ja darin, den Anfang eines wahren Trends so präzise und frühzeitig als möglich anzuzeigen, damit wir zum idealen Zeitpunkt einsteigen und den Trend so lange wie möglich mitreiten können. Aber wie wissen wir, wann ein Trend zu Ende ist? Ein guter Indikator, der Trend-Ende anzeigt, ist Parabolic SAR.

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Der Parabolic Indikator zeichnet Punkte unter oder über die Candles des Charts. Punkte unter dem Preis markieren einen steigenden Trend. Wenn der Aufwärtstrend die Richtung ändert, wechseln die Punkte über die Candles und bleiben dort, so lange der Kurs fällt. Ist der fallende Trend zu Ende, springen die Punkte wieder unter den Kurs.

Parabolic ist wahrscheinlich der einfachste Indikator und sehr leicht zu interpretieren. Wirklich brauchbar ist er aber nur während der Zeit, in der der Markt in einer klaren Trendphase ist. Wie im nächsten Chart ersichtlich, springen die Punkte während Seitwärtsbewegungen viel zu oft hin und her, um eine nützliche Aussage zu machen.

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Mehr über Indikatoren

Kauf- oder Verkaufsentscheidungen sollten nie anhand eines Oszilatoren gefällt werden, sondern erst nach einer Bestätigung im Preis selbst. Auch schadet es nicht, gleich zwei oder sogar drei Indikatoren gleichzeitig zu verwenden. Die grosse Mehrheit der erfolgreichen Händler steigen nur in einen Handel ein, wenn mehrere Indikatoren in die gleiche Richtung weisen. Wiedersprechen sich die verwendeten Indikatoren, wird geduldig gewartet. Das Ziel ist nicht, möglichst viel zu handeln, sondern langfristig wiederholt Profit zu machen.

Wie viele Indikatoren soll ich verwenden?

Eine feste Regel, wie viele oder welche Indikatoren man verwenden soll, gibt es natürlich nicht. Sich nur auf einen Indikator zu verlassen ist sicherlich zu wenig. Allerdings sollte man Charts auch nicht mit Indikatoren zudecken. Zwischen zwei und vier Indikatoren reichen normalerweise aus. Lernen Sie die wichtigen Indikatoren kennen und testen Sie alle. Je vertrauter Sie sich mit den einzelnen Indikatoren machen, desto besser können Sie entscheiden, welche Kombinationen Ihnen am meisten entspricht.


Im nächsten Teil widmen wir uns den Momentum Indikatoren. Weiter »