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Forex-Schule Kapitel 5: INDIKATORN

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Indikatoren

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Indikatoren sind die eigentlichen Werkzeuge, die uns im Kampf um Pips zur Verfügung stehen. Die Hauptaufgabe der Indikatoren besteht darin, uns Kauf- und Verkaufsignale zu geben und Trends und Trend-Wenden zu bestätigen. Oft ist die Richtung des Preises auf Charts zu unübersichtlich, um klare Schlüsse über Trend oder Trend-Wenden zu ziehen, vor allem wenn der Kurs stark und scheinbar ziellos hin- und herschwankt. Indikatoren zeigen Preisschwankungen oft als graphische Durchschnittsbewegung an, wodurch extreme Schwankungen ausgeglättet werden.

Es gibt zwei Arten von Indikatoren: Oszilatoren (Frühindikatoren) und Momentum-Indikatoren (Spätindikatoren)..

Oszilatoren sind Frühwarnsysteme, die ein Signal geben, bevor sich ein neuer Trend geformt hat, oder bevor ein Trend gewendet hat. Diese Signale weisen oft auf Schwächen im bestehenden Trend hin. Sie werden auch Frühindikatoren genannt, da sie der eigentlichen Richtungsänderung des Kurses voraus sind.

Momentum Indikatoren geben ein Signal, nachdem sich, wie der Name sagt, Momentum in eine Richtung gebildet hat; in anderen Worten: nachdem ein Trend bereits begonnen hat. Momentum-Indikatoren sind Spätindikatoren, da sie dem Preis hinterher folgen.

Vielleicht denken Sie sich jetzt, dass Sie dann natürlich immer Frühindikatoren verwenden werden, da man mit diesen bei einem Richtungswechsel schon von Anfang an dabei ist und das Maximum an Pips rausholen kann. Theoretisch haben Sie da auch recht. Praktisch sieht es allerdings anders aus. Ein grosser Teil der Signale geben falschen Alarm und markieren nur vermeintliche Kurs-Wenden.

Spätindikatoren sind weniger anfällig auf falsche Signale, da sie klar geformte Trends bestätigen. Dafür reagieren sie eher langsam auf Kursveränderungen, und Signale erscheinen verspätet, wodurch man ein Stück des Profitkuchens verpasst.

Prinzipiell sind Oszilatoren gute Instrumente während Seitwärtsbewegungen und Momentum-Indikatoren während Trends. Beide Arten haben ihre Vor- und Nachteile. Es ist wichtig, dass Sie sich mit beiden vertraut machen und den Unterschied klar verstehen, denn beide können auf ihre Art nützlich sein.


Frühindikatoren (Oszilatoren)

Frühindikatoren oder Oszilatoren geben Signale im Voraus, bevor sich ein neuer Trend bestätigt hat. Oszilatoren fallen normalerweise in drei Signal-Zonen: Kaufen, Verkaufen und Neutral.

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In diesem Kapitel lernen wir drei Oszilatoren kennen:

Stochastics

Relative Strength Index (RSI)

Parabolic SAR


Stochastics

Die in der oberen Chart markierten Verkauf-, und Kauf-Zonen werden Overbought (überkauft) und Oversold (überverkauft) genannt.

Overbought ist ein Indiz, dass Käufer den Preis zu sehr nach oben getrieben haben, und dass eine Abwärtkorrektur ansteht. Wenn der Kurs die Oversold-Zone erreicht hat, ist der Preis übermässig stark gesunken und eine Preis-Wende nach oben ist wahrscheinlich.

Stochastics misst das Verhältniss der x vergangenen Schlusspreise, die nahe dem Höchstpreis geschlossen haben, gegenüber den Schlusspreisen, die nahe dem Tiefstpreis endeten. Die Theorie dahinter besagt, dass zu Beginn und in der Mitte eines Aufwärtstrends die Schlusspreise eher in der Nähe des Höchstpreises enden oder zumindest im oberen Teil einer Candle. Wenn der Aufwärtstrend aber zu Ende kommt, schliessen die Preise zunehmend in der Nähe des Tiefstpreises im unteren Teil einer Candle. Bei einem Abwärtstrend verhält es sich umgekehrt.

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Auf dem Stochastic Chart sehen wir zwei Linien. Die blaue Linie (%K) schlägt stärker aus und reagiert schneller auf Preisveränderungen; Die rote (%D) ist eine verlangsamte Version der blauen. In unserem Beispiel wurde die %K auf 12 (die letzten 12 Perioden), und die %D auf 6 (die letzten 6 Perioden) eingestellt. Ersichtlich ist dies in der linken oberen Ecke der Chart: Stoch(12,6,1). Zur Bedeutung der 1 kommen wir noch.

Stochastics wird auf einer Skala von 0 bis 100 angezeigt. Linien über 80 deuten auf eine Overbought Situation hin, Linien unter 20 auf eine Oversold Situtaiton.

Normalerweise werden Overbought und Oversold Linien auf 80 und 20 eingestellt (wie in unserem Beispiel), können aber auch auf 75/25 oder 70/30 eingestellt werden, wodurch die Signale schneller reagieren. Dadurch können die Einstellung dem Markt angepasst werden. Wenn die Linien Overbought/Oversold nur selten erreichen und sich fast nur in der Neutralen Zone bewegen, sollte man die Zonen näher zusammenbringen (z.B. 30/70). Wenn sich die Linien aber fast ständig in der einen oder anderen Extremzone befinden, sind Overbought und Oversold zu nahe zusammen und sollten weiter auseinander gelegt werden (z.B. 20/80). Idealerweise sollten die Stochastics Linien die Overbought- und Oversold-Zonen nur bei starken Preisausschlägen erreichen.

Hier ein EUR/USD Tages-Chart mit Stochastics Indikator.

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Es gibt verschiedene Wege, wie man Stochastics interpretieren kann. Signale ergeben sich, wenn eine oder beide Linien die 20 oder 80-Zone überschreiten oder verlassen oder auch, wenn sich die Linien kreuzen.

Oversold wird normalerweise als Kaufs-Zone, und Overbought als Verkaufs-Zone interpretiert. Gewisse Händler beachten die schnellere %K (blau) Linie, was zu mehr Signalen, aber auch zu mehr Whipsaws führt. Andere Händler ignorieren die %K und reagieren nur auf Signale von %D. %D gibt weniger und langsamere Signale, aber dafür solidere. Da sich die Linien manchmal auch sehr lange innerhalb der Overbought- oder Oversold-Zone befinden können, ergeben sich die besten Signale, wenn die Linien zurück in die neutrale Zone wechseln. Daher ist das Überschreiten der Linien in die Overbought- oder Oversold-Zonen nie als automatisches Kauf- oder Verkaufsignal zu deuten.


Verlangsamung

Stochastics Linien können zusätzlich verlangsamt werden, um extreme Schwankungen zu glätten, was falsche Signale vermindert.

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Unter der vorherigen 12/6 Stochastics (12 Perioden der schnelleren blauen Linie, 6 Perioden der langsameren roten Linie) wurde ein zweiter Stochastics-Chart gezeichnet. Auch auf diesem Chart sind die Einstellungen 12/6, wurden um den Faktor 5 verlangsamt – erkenntlich an den Zahlen 12,6,5 im oberen linken Eck der untersten Chart. Die Linien in diesem Chart sind viel runder und reagieren nicht so übertrieben auf kleine Preisschwankungen. Auch kreuzen sich die beiden Linien (rot und blau) weniger oft. Dies ist wichtig für Händler, die das Überqueren der einen Linie über oder unter die andere als Signal interpretieren.


Abweichung (Divergence)

Eine weitere wichtige Funktion von Indikatoren ist es, Abweichung zwischen dem Kursverlauf und den Indikatoren-Linien aufzuzeigen.

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Auf diesem Chart erreicht der Kurs in Zone B tiefere Preise als in Zone A. Wir würden erwarten, dass die Stochastics-Linien zum gleichen Zeitpunkt mindestens gleich tief oder sogar noch tiefer verlaufen würden. Dies ist aber nicht der Fall. In Zone a erreicht die blaue Linie noch Oversold, aber in Zone b nicht mehr; das Stochastics-Tief bei b ist höher als bei a. Wir haben also eine Abweichung zwischen Preis und Indikator. Stochastics erzählt eine andere Geschichte als der Preis, nämlich die eines Abschwächen des bestehenden Trendes.

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In unserem Beispiel kam es dann auch tatsächlich zu einem Kursanstieg. Das Erscheinen einer Abweichung bedeutet nicht automatisch, dass die bestehende Richtung ändert. Es ist aber zumindst ein Warnung, dass die momentane Richtung an Momentum verloren hat.


Der nächste Indikator den wir uns ansehen werden ist der RSI. Weiter »