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Forex-Schule Kapitel 4: FIBONACCI

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Fibonacci Zahlen

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Der italienische Mathematiker Leonardo Da Pisa, auch Fibonacci genannt, erkannte im 12. Jahrhundert ein fundamentales mathematisches Prinzip, welches in allen Bereichen des Lebens wieder zu finden ist. Die nach ihm benannte Fibonacci-Zahlenreihe wird durch eine unendliche Folge von Zahlen definiert, in der sich jede neue Zahl aus der Summe der beiden vorhergehenden Zahlen ergibt.

1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377,...

Wenn man jeweils zwei nebeneinander liegende Zahlen zusammenzählt, erhält man die nächstfolgende Zahl: 1+1=2, 1+2=3, 2+3=5, 3+5=8, usw.

Teilt man nun eine Zahl (die ersten paar Zahlen ausgenommen) durch die nächstfolgende, ergibt sich immer das gleiche Verhältnis: 0.618.
34/55=0.618, 55/89=0.618, 144/233=0.618

Teilt man eine Zahl (die ersten paar Zahlen ausgenommen) durch die übernächste, ergibt sich immer das Verhältnis 0.382.
21/55=0.382, 34/89=0.382

Teilt man eine Zahl (die ersten paar Zahlen ausgenommen) durch die drittnächste, ergibt sich immer das Verhältnis 0.236.
34/144=0.236, 55/233=0.236

Diese Verhältnisse nennt man den „goldenen Schnitt“. Sie tauchen in fast allen Wissenschaften auf, von Mathematik, Geometrie, Biologie über Astronomie bis zur Architektur und Kunst.

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Der goldene Schnitt: A (0.618%) verhält sich zu B (0.382%) wie A+B zu A.
Hier ein paar Beispiele aus der Wissenschaft:


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Fibonacci-Verhältnis des menschlichen Körpers.


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Fibonacci-Zahlen erscheinen in der Natur regelmässig, zum Beispiel in der Anreiung von Spiralen in Sonnenblumen: 34 in die eine Richtung, 55 in die Andere.


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Das Wachstum von Schneckenhäusern entspricht dem goldenen Schnitt.

Und was hat das alles mit Forex zu tun? Sicherlich verlaufen Preisentwicklungen an Finanzmärkten eher zufällig. Wenn sie beeinflusst werden, dann doch sicher eher durch politische und ökonomische Veränderungen, als durch voraussehbare mathematische Prinzipen. Die Antwort ist Ja und Nein. Haben Sie im Kapitel „Support und Resistance“ aufgepasst? Händler verwenden Fibonacci Verhältnisse nämlich oft als Support und Resistance Zonen. Auf starke Preisbewegungen folgen meist Korrekturen. Das Verhältnis der Korrektur zur Preisbewegung entspricht öfters einem Fibonacci-Verhältnis.

Keine Angst, Sie brauchen die Berechnung nicht selbst durchzuführen, die Chart-Software tut dies für Sie. Wichtig ist nur zu wissen, dass der Kurs oft auf eben diese mathematischen Fibonacci-Linien zurückfällt.

In der Finanzwelt gibt es verschieden Fibonacci-Berechnungen. Wir werden uns hier auf die wichtigsten und meistgenutzen beschränken: Fibonacci Retracement (Einbruch), Fibonacci Extension (Fortsatz) und Fibonacci Fans.

Fibonacci Retracement-Zonen werden vor allem als Support und Resistance verwendet.
Wichtige Retracement Punkte: 0.236 0.382, 0.500, 0.618, 0.786

Fibonacci Extension-Zonen sind beliebte Profitziele.
Wichtige Extension Punkte: 0.618, 1.000, 1.382, 1.618


Fibonacci Retracement

Nach einem abgeschlossenen Trend schäzt Fibonacci Retracement mögliche Rückfallpunkte, auf welche der Kurs sich in einer ersten Welle zurückzieht.

Wie bereits erwähnt, berechnet die Chart Software die Fibonacci Verhältnisse für Sie. Was Sie jedoch eingeben müssen, ist ein Anfangs-, und ein Endpunkt zwischen welchen die Berechnungen fallen. Als Anfangs-, und Endpunkt gelten ein signifikantes Kurs-Hoch und ein signifikantes Kurs-Tief.


Fibonacci Retracement während Long Trends

Retracement-Zonen während einem Long Trend findet man, indem man das letzte Kurs-Tief und das letzte Kurs-Hoch mit einer Linie verbindet.

Als erstes brauchen wir einen vorläufig abgschlossenes Trend-Segment welches soeben die Richtung gewechselt hat.

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Auf diesem AUDUSD 4 Stunden Chart sehen wir zwischen den Punkten A und B eine sehr schöne Aufwärtsbewegung. Die momentane Candle „d“ markiert allerdings einen tieferen Preis als das vorherige Tief „c“. Erinnern wir uns nochmals an die Anatomie eines Trends. Ein Trend ist eine Serie von höheren Hochs und höheren Tiefs, gefolgt von einer Korrektur in der Händler ihren Profit einkassieren. Technisch gesehen beginnt die Korrektur dann, wenn ein tieferes Tief erscheint. Genau diese Situation haben wir auf diesem Chart mit den Punkten „c“ „d“.

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Aber wie stark wird die Korrektur ausfallen, bis Käufer den Preis wieder als günstig empfinden? Fibonacci-Zonen helfen uns solche Gegenden zu finden, also zeichnen wir diese auf den Chart. Dazu brauchen wir einen markanten Anfangspreis des Trends und einen deutlichen Höchstpreis; diese finden wir in den Punkten A und B. Also zeichnen wir die Fibonacci-Verhältnisse dazwischen. Mit dem Fibonacci Retracement Indikator in der Chart Software klicken wir erst auf Punkt A, dann auf Punkt B, und schon sind die Verhältnisse des goldenen Schnitts auf den Chart gezeichnet.

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Die erste Zone, 23.6%, wurde bereits durchbrochen. 23.6% ist allerdings die unwichtigste Linie, und viele Analysten zeichnen sie gar nicht erst ein. 38.2% bis 61.8% markiert die Hauptzone, die meisten Korrekturen werden in dieser Gegend wenden. Eine Wende um 38.2% deutet auf einen besonders starken Trend hin, 50% ist normal, und mit 61.8% ist der Trend schwächer geworden; Käufer lassen sich offensichtlich Zeit, bis sie erneut einsteigen. Wird 61.8% durchbrochen, ist das ein schlechtes Zeichen für den Trend, dann gibt es nur noch eine letzte Reservelinie, 78.6%. Fällt 78.6% auch, ist der Aufwärtstrend definitiv vorbei. Verkäufer haben den Preis nun fast auf den Anfangspunkt A zurück gedränt, Käufer sind klar in der Minderheit. Nun wird 100% zu einer Kampfzone. Verkäufer der Abwärtsbewegung werden in dieser Zone Positionen schliessen um Profit abzusichern, und Käufer werden versuchen, diese wichtige Zone mit neuen Positionen zu verteidigen. Fällt der Kurs unter 100%, ist ein neuer Abwärtstrend im Gang. Aber da wir uns ja in einem Aufwärtstrend befinden, rechnen wir nicht mit einer Trendwende, sondern nur mit einer Korrektur.

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Tatsächlich wendet der Kurs in der Zone zwischen 38.2 und 50, der tiefste Preis fällt genau auf die 50% Linie.


Fibonacci Retracement während Short Trends

Wenn der Haupttrend Short ist, berechnet man die Retracement Punkte bei einer kurzfristig ansteigenden Richtungsänderung. Dadurch findet man mögliche Resistance Punkte, an denen der Kurs zurück in den fallenden Haupttrend wechselt.

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Zwischen Punkt A und B entstand durch eine Serie von tieferen Hochs und tieferen Tiefs ein Abwärtstrend. Mit der aktiven grünen Candle wurde das letzte Hoch (Punkt c) überschritten; dieses neue höhere Hoch markiert ein momentanes Ende des Short-Trends. Der Abwärtstrend als solches wurde allerdings noch nicht gebrochen, dazu müsste der Chart erst noch ein höheres Tief und ein neues höheres Hoch aufzeichnen. Also rechnen wir nur mit einer Korrektur der Abwärtsbewegung und zeichnen die Fibonacci Retracement-Linien zwischen A und B.

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Die Korrekt hat bereits 50% erreicht. Möglicherweise war das schon die Korrektur, da Korrekturen oft zwischen 38.2% und 61.8% fallen. 50% liegt da genau in der Mitte und ist ein besonders beliebter Punkt für Korrekturen.

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50% war dann doch nicht der Höchstpunkt, aber immerhin nahe dran. Der Kurs stieg bis zur 61.8% Linie, wendete dort aber und setzte den Short-Trend fort.

Der Rest dieses Charts zeigt weitere Short-Segmente in denen der Preis fällt, dann korrigiert, weiter fällt und wieder korrigiert. In jedes Segment können Fibonacci Retracement-Linien gezeichnet werden (Siehe nachfolgende Charts). Diese Übung demonstriert sehr schön, wie Preise während Trends in Fibonacci-Zonen wenden. Solange 78.6% hält, kann mit der Weiterführung des bestehenden Trends gerechnet werden.

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Finbonacci Linien können nicht nur als Einstiegspunkte, sondern auch als Profitziele verwendet werden. Weiter »