Forex-Schule Kapitel 1: ANALYSE TYPEN

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Technische und Fundamentale Analyse

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Haben Sie die Einführung gelesen und wissen was Pips, Lots und Spread sind? Ja? Prima! Dann verstehen Sie nun ja die Forex Grundlagen und können mit dem Handeln beginnen. Sie wissen, wie man ein Handelskonto bei einem Broker eröffnet, kommen mit der Handelsplattform zurecht und verstehen, wie und was dort gehandelt wird. Also kaufen Sie sich 4 Lots EUR/USD Long und hoffen, dass der Kurs ansteigt. Viel Glück!

Wenn Sie tatsächlich Glück haben sollten, und der Kurs steigt - wie lange werden Sie warten, bis Sie verkaufen? Ist es besser, lange zu warten und auf einen grossen Gewinn zu hoffen, oder würden Sie die Position schon nach einem kurzen Anstieg schliessen um den Profit abzusichern. Und was tun Sie, wenn der Kurs nicht steigt, sondern sinkt? Werden Sie die Position schliessen und einen Verlust hinnehmen, oder werden Sie warten und hoffen, dass sich der Kurs dreht und wieder steigt? Oder haben Sie im Einführungsteil aufgepasst und einen Stop gesetzt? Wenn ja, Herzlichen Glückwunsch. Aber wo haben Sie den Stop gesetzt? Nahe am Kaufspreis, oder weiter weg?

Viele, vor allem neue Fische im Forex-Ozean schwimmen genau so - ohne Ziel und Plan, und Sie schmecken den Haien besonders gut, glauben Sie mir. Und noch etwas können Sie mir glauben: kein einziger der wirklich erfolgreichen Händler agiert so planlos. Bei den Profis ist jede Bewegung kalkuliert und gezielt geplant, nichts wird dem Zufall überlassen. Eine Position wird nur unter optimalen Bedingungen eröffnet. Wenn sich lange keine optimale Bedingung ergibt, wird geduldig gewartet. Ergibt sich eine gute Möglichkeit, wird präzise zugeschlagen. Der erfolgreiche Händler weiss 100%-ig, warum er handelt, Hoffnung oder Spekulation sind nicht im Spiel. Sollte der Handel nicht wie gewünscht verlaufen, wird die Position ohne Zweifel oder schlechtes Gewissen geschlossen und geduldig auf eine andere Möglichkeit gewartet. Die Haie wissen: der Ozean ist gross genug, dass gute Siutationen nie ausgehen; die nächste schwimmt bestimmt schon daher.

Und nun zur eigentlichen Frage dieses Kapitels: Wie wissen die grossen Fische, wann der Zeitpunk einer guten Handelsmöglichkeit gekommen ist? Wodurch treffen sie ihre Entscheidungen?
Antwort: Durch Analysen.

In der Welt der Finanzmarkt-Analysen gibt es zwei Schulen: Technische Analysen und Fundamentale Analysen. Beide Analysetypen haben ihre Anhänger und Verfechter. Welche ist die Bessere? Welche sollen Sie lernen? Die Antwort ist: Lernen Sie beide, denn beide haben ihre Berechtigung und beide können bei Entscheidungen hilfreich sein. Zwar gibt es Händler, die nur auf die eine oder andere schwören. Kennen müssen Sie aber auf jeden Fall beide, und viele Händler verwenden zu einem gewissen Grad auch beide.


Technische und Fundamentale Analysen

Technische Analyse ist die Studie von Charts, welche Preise und Preisschwankungen über einen gewissen Zeitraum aufzeigen. Kurse bewegen sich oft nach gewissen Mustern, verlaufen nach Trends und klettern oder fallen immer wieder auf frühere Preislevels zurück. Daraus ergeben sich Bilder, die sich immer wieder wiederholen. In technischer Analyse wird versucht, anhand vergangener Preisbewegungen herauszufinden, wo der Preis sich am ehesten hinbewegen wird.

Hier ein Beispiel eines EUR/USD Charts

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Der Kurs hat sich fast die ganze Zeit nur in eine Richtung bewegt, nach oben. Ein Trend ist hier deutlich erkennbar. Trends sind die Eckpfeiler in technischer Analyse. „The trend is your friend“ (der Trend ist dein Freund) ist ein oft zitierter Satz im Forex. Solange ein Trend anhält, lohnt es sich in derselben Richtung zu handeln. In unserem Beispiel hätten Sie bisher an irgendeinem beliebigen Punkt ‚Long’ einsteigen können, und Sie hätten einen Profit erzielt. Hätten Sie aber gegen den Trend gehandelt, wären Sie auf jeden Fall im Minus. Trends halten allerdings nie für immer an und werden sich früher oder später in die Gegenrichtung bewegen.


Was genau ist ein Trend?

Hierzu schauen wir uns ein paar Grundregeln der Dow Theory an. Charles Dow hat mit seiner Dow Theory Ende des 19. Jahrhunderts den Grundstein für die Fundamentale Analyse gelegt. Auch ist der von ihm entwickelte Dow Jones Average bis heute einer der wichtigsten Indikatoren über den Zustand der Wall Street.

Kurse bewegen sich nie ununterbrochen in eine Richtung, sondern wellenförmig auf und ab. Wenn die Wellen bei Aufwärtsbewegungen grösser sind als bei Abwärtsbewegungen, besteht ein Aufwärtstrend.

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Hier sehen wir wie der Kurs mit jeder Aufwärtsbewegung ein neues, höheres Hoch erreicht. Jedes Mal wenn der Kurs zurückfällt, sinkt er weniger tief als beim letzten Mal, die Tiefpunkte werden ebenfalls jedes Mal höher. Dies ist die Grundlage eines Trends: ein Aufwärtstrend besteht aus einer Serie höherer Hochs, und höherer Tiefs. Solange diese Progression fortgesetzt wird, gilt der Trend als aktiv. Wenn der Zyklus von höheren Hochs und höheren Tiefs gebrochen wird, ist der Trend vorbei. Das Ende von nur einer Seite der Progression reicht als eindeutigies Signal nicht aus. Wenn der Kurs zum Beispiel plötzlich ein tieferes Tief erreicht als das vorherige, besteht der Aufwärtstrend trotzdem noch. Erst wenn anschliessend auch ein tieferes Hoch markiert wird, gilt der Trend als gebrochen. Punkt A im unteren Bild signalisiert den Punkt der ein tieferes Tief und ein tieferes Hoch bestätigt – der Aufwärtstrend ist definitiv zu Ende.

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In einem Aufwärtstrend gilt als tieferes Tief nur ein Rückzug des Preises von mindestens 1/3 der vorherigen Aufwärtsbewegung. Normalerweise sollten diese Korrekturbewegungen zwischen 1/3 und 2/3 der vorherigen Bewegung ausmachen, oft fallen sie um die 50% Marke.

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Punkt B fällt weniger als 1/3 der vorherigen Aufwärtsbewegung zurück, daher gilt B nicht als höheres Tief. Dementsprechend ist das Preishoch direkt links neben B auch kein höheres Hoch, erst Punkt C markiert ein echtes höheres Hoch. Punkt D fällt dann zwischen 1/3 und 2/3 der gesamten Aufwärtsbewegung seit dem letzten Tief und ist dadurch ein solides höheres Tief.

Beim Abwärtstrend verhält es sich genau umgekehrt, dieser besteht aus einer Serie tieferer Hochs und tieferer Tiefs.

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Den Anfang und das Ende von Trends so früh wie möglich zu erkennen gehören zur Hauptaufgabe der technischen Analyse. Sie soll Händlern rechtzeitig Signale für ideale Einstiegs-, und Ausstiegspunkte geben.


Fundamentale Analyse

Fundamentale Analyse im Forex studiert die Weltwirtschaft, sowie die wirtschaftliche Situation einzelner Länder anhand ökonomischer, sozialer und politischer Faktoren. Je besser die Wirtschaft eines Landes oder einer Region, desto stärker ist normalerweise auch dessen Währung. Während weltwirtschaftlichen Krisenzeiten, steigen oft die Gold- und Silberpreise, sowie Währungen von Ländern, die als zuverlässig und stabil angesehen werden, zum Beispiel die Schweiz oder Japan. Anhand der wirtschaftlichen Gesundheit eines Landes kann man ablesen, in welche Richtung dessen Währung sich am ehesten entwickeln wird. Die fundamentale Analyse verwendet eine Vielzahl von ökonomischen Indikatoren, welche in regelmässigen Abständen von Zentralbanken, Staatsorganen und privaten Unternehmen herausgegeben werden. Sollte die Amerikanische Zentralbank zum Beispiel die Zinsen senken, ist dies ein möglicher Indikator, dass die Zentralbank eine wirtschaftlich schwächere Zeit voraussieht. Devisen eines Landes reagieren oft stark auf Zinsänderungen von Nationalbanken, vor allem wenn eine Anhebung oder eine Senkung entgegen der allgemeinen Erwartungen ausfällt. In der fundamentale Analyse wird der Entscheid, ein Währungspaar zu handeln, anhand solcher wirtschaftlicher Nachrichten getroffen.


Welche Analyse ist besser?

Wie Sie sehen, gibt es keine klare Antwort auf die Frage, welche die bessere Analyse ist. Ein berechtigtes Argument für die Fundamentale Analyse ist, dass der Markt sich auf Grund wirtschaftlicher Faktoren und Nachrichten bewegt. Wer diese Faktoren kennt, kann sich frühzeitig in die korrekte Richtung positionieren. Dies ist zwar richtig trotzdem kommt es immer wieder vor, dass vermeintlich wichtige Wirtschaftsdaten publiziert werden, und der Markt nur wenig oder gar nicht darauf reagiert.

Ein Argument für die Technische Analyse ist, dass der Preis automatisch alle Nachrichten (gute und schlechte) einbezieht und reflektiert. Dadurch entstehen Trends und Preismuster, die man auf den Charts erkennen kann, selbst wenn man die Nachrichten, denen die Preisbewegungen zu Grunde liegen, nicht kennt. In anderen Worten, , man kann einem Trend folgen, selbst wenn man sich nicht bewusst ist, was ihn antreibt. Wenn sich die fundamentalen Daten ändern und der Trend die Richtung dreht, kann man auf das technische Signal der Richtungsänderung reagieren und die Position der neuen Richtung anpassen.

Auf jeden Fall müssen Sie die Grundlagen beider Systeme verstehen. Danach können Sie derjenigen mehr Gewicht geben, welche ihnen mehr entspricht. Viele Händler verwenden eine Mischung aus beiden, was sicherlich der ideale Weg ist. Sollte sich ein Long Trend entwickeln und sollten gleichzeitig die Wirtschaftsdaten des entsprechenden Landes positiv sein, ist die Chance gut, dass der Trend länger anhalten wird. Die fundamentale Analyse bestätigt den Trend der technischen Analyse. Ein technischer ‚Long’ Trend zur Zeit schlechter Wirtschaftsdaten hat viel weniger Chancen lange anzuhalten, da viele Händler sich hüten werden gegen schlechte Wirtschaftsdaten zu spekulieren.

Fundamentale Wirtschaftsdaten werden täglich veröffentlicht. Es ist wichtig, sich täglich dessen bewusst zu sein, auch wenn man hauptsächlich technische Analysen verwendet. Stellen Sie sich vor, Sie entdecken einen Long EUR/USD Trend und eröffnen eine Position. Allerdings haben Sie nicht beachtet, dass die Europäische Zentralbank einige Stunden später die neuen Zinssätze bekannt gibt. Was wenn die Zentralbank die Zinsen senkt? Das könnte ein schnelles und schmerzliches Ende für ihren neu entdeckten Trend sein. Währen Sie sich bewusst gewesen, dass ein Zentralbankentscheid bevorsteht, hätten Sie ihre Position vielleicht vorsichtshalber noch nicht eröffnet und gewartet, bis die neuen Zinsen bekannt gegeben wurden.

An diesen Beispielen sollte es einfach zu erkennen sein, dass technische und fundamentale Analysen zusammen spielen und beide ihre Berechtigung haben. Lernen Sie beide zu nutzen, und ihre Erfolgschancen sehen gleich viel besser aus.

Nun ist es an der Zeit, uns mit dem eigentlichen Forex-Werkzeug vertraut zu machen den Charts. Weiter »