Folgen Sie uns auf Facebook

Forex-Schule Kapitel 8: MONEY MANAGEMENT

Artikel von Andreas Rytz CFTe

Eine Angelegenheit von Leben und Tod

picture

Das ist kein Witz, Money Management ist tatsächlich eine Angelegenheit von Leben und Tod, Leben und Tod Ihres Handelskontos. Kein anderes Thema kommt auch nur annähernd an die Wichtigkeit von Money Management. Wenn Sie nur einen einzigen Abschnitt dieser Webseite lesen, dann sollte es dieser sein. Money Management trennt den Weizen vom Spreu, oder übersetzt auf die Forex-Welt: die Glückspieler von den langfristig profitablen Investoren. Beim Glückspiel gewinnt schlussendlich immer das Casino. Zum einen, weil Casinos für sich statistische Vorteile einbauen wie zum Beispiel die 0 im Roulette. Zum anderen, weil 99% der Spieler planlos drauflos wetten. Ein guter Prozentsatz der Casinospieler gewinnen Geld im Casino, zum Teil beträchtliche Summen, und der ganz grosse Teil dieser Gewinner gibt dem Casino alles wieder zurück. Ohne Money-Management -Disziplin haben die Spieler keine Ahnung, wann sie wie viel Geld einsetzen sollen, oder wann es Zeit ist, Gewinne abzusichern und das Casino zu verlassen. Ansonsten rationale Individuen verfallen dem irrationalen Trieb, dass einer guten Gewinnrunde unaufhörlich weitere Gewinne folgen werden, oder dass nach grossen Verlusten das Glück sich wendet und man alles wieder zurückholt, wenn man nur nicht aufgibt.

Währenddessen berechnet das Casino ganz genau, mit wie viel Risiko es unter welchen Voraussetzungen rechnen muss. Als Händler sollten wir Forex wie die Casinos angehen und nicht wie Glückspieler. Glückspieler können ab und zu mal Glück haben, aber als Masse verlieren sie statistisch garantiert. Auch wir wollen nicht ab und zu mal Glück haben, sondern immer genau wissen, wie viel wir wann riskieren.


Das Hauptziel beim Handeln!

Frage: Was ist das Hauptziel beim Handeln?
Antwort: „Gewinn machen“!
Falsch, das erste Ziel ist „capital preservation“, die Kapitalerhaltung. Natürlich ist die Vermehrung des Kapitals ebenfalls ein Hauptziel, aber es kommt erst an zweiter Stelle. Da wir mit unserem Einlage-Kapital Geld verdienen, ist das Kapital gleichzusetzen mit dem Inventar oder Produktionsstätten eines Betriebes. Wenn ein Unternehmen seine Maschinen und Gebäude verliert, kann es nicht mehr produzieren und ist faktisch am Ende. Uns geht es genau gleich. Wenn wir unser Einlage-Kapital verlieren, sind wir am Ende; es sei denn, wir können neues Kapital beschaffen und nochmals von vorne anfangen. Dieses Szenario wollen wir aber absolut vermeiden. Wir sollten unser Einlage-Kapital so ernst nehmen wie ein Betrieb seine Maschinen und Gebäude und ihm stets Sorge tragen. Unsere Motivation sollte daher in erster Linie von der Kapitalerhaltung gelenkt sein, und nicht vom Gewinnen.


Wie viel kann ich verlieren?

Der Glückspieler fragt: Wie viel kann ich gewinnen? Der professionelle Händler fragt: Wie viel kann ich verlieren?

Wenn wir 50% unseres Kontos in einem Handel riskieren, dann haben wir nach einem allfälligen Verlust noch 50% übrig. Um diesen Verlust wett zu machen müssen wir aber nicht 50% unseres verbliebenen Kapitals zurückgewinnen, sondern 100%. Wir müssen also unser Konto verdoppeln, nur um wieder auf die Ausgangslage des Einlage-Kapitals zurückzukommen, kein leichtes Unterfangen. Dieses Beispiel soll demonstrieren, dass es leichter ist Geld zu verlieren, als es zu vermehren. Hätten wir statt der 50% nur 10% unseres Kapitals riskiert, wären wir jetzt nicht in einer so misslichen Lage. Anstatt der 100% bräuchten wir nun nur einen Gewinn von 11%, um wieder auf die Ausgangslage zurückzukommen.

Wir hätten die Frage auch aus der Sicht eines Gewinns stellen können. Wenn wir 50% riskiert hätten, dann hätten wir auch einen Gewinn von 50%; mit einem Risiko von 10% aber nur einen Gewinn von 10%. Da aber fast alle Händler (selbst die Professionellen) öfters verlieren als gewinnen, ist es weiser, sich von Anfang an anzugewöhnen, die Ausgangslage anhand eines Verlustes zu berechnen.

Um das Ganze zu veranschaulichen, sehen Sie sich die folgende Gegenüberstellung von zwei verschiedenen Risikoberechnungen eines Kontos mit $10‘000 an. Wenn wir zehn Mal hintereinander verlieren, sieht das bei 1% Risiko und bei 10% Risiko folgendermassen aus:


Handel Konto 1% Risio pro Handel   Handel Konto 10% Risio pro Handel
1 10'000 100 1 10'000 1'000
2 9‘900 99 2 9‘000 900
3 9'801 98 3 8‘100 810
4 9'703 97 4 7'290 729
5 9'606 96 5 6'561 656
6 9'510 95 6 5'905 590
7 9'415 94 7 5'315 531
8 9'321 93 8 4'784 478
9 9'228 92 9 4'306 430
10 9'136 91 10 3'876 387
9'045 3'489

Mit 1% Risiko pro Handel verlieren wir nach 10 Verlusten in Folge etwa 10% unserer ursprünglichen $10‘000. Beim gleichen Scenario mit 10% Risiko sind dann gleich um die 65% verloren, fast zwei Drittel unseres Kontos. Ein Konto, das nach so kurzer Zeit auf $3‘500 schrumpft wieder auf $10,000 zu bringen ist fast unmöglich, mit $9‘000 aber durchaus machbar.

Psychisch einen vernichtenden Verlust zu verkraften ist um ein Vielfaches schwerer als es in einem theoretischen Beispiel zu verstehen. Die Versuchung ist gross, nach einem grossen Verlust noch viel riskanter zu agieren und den Rest der Regeln auch noch über Bord zu werfen, in der Hoffnung, mit ein paar guten Trades die Verluste wieder wett zu machen. Fast alle Händler verspielen ihr erstes Konto oder manchmal sogar gleich mehrere Konten, bis sie die Wichtigkeit von Money Management wirklich begreifen.

90 bis 95% aller Forex-Händler verlieren langfristig mehr als sie verdienen. Unzureichendes Money Management ist einer der Hauptgründe dafür. Dies gilt übrigens nicht nur für Kleinanleger, sondern genau so für Gross-Banken und Hedge-Fonds, die Milliarden anlegen. Die seit 2008 anhaltende Finanzkrise ist ein gutes Beispiel für katastrophales Risiko und Money Management auf der vermeintlich professionellen Ebene.

Also stellen Sie sich ernsthaft die Frage: „Wie viel bin ich bereit, pro Handel zu verlieren?“
Schlussendlich gibt es zwar keine richtige oder falsche Antwort, aber im Prinzip gilt: je weniger desto besser.

Meine persönliche Antwort ist 1% meines Kontos. Wenn ich 1% riskiere, habe ich bei einem Verlust immer noch 99% meines Kapitals übrig. Selbst wenn ich 10 Mal hintereinander verliere (was schneller geschieht als man glaubt), sollte mit dieser Regel immer noch um die 90% meines Kontos erhalten sein. Selbst schwere Verlustserien, die jeder Händler früher oder später antreffen wird, sollten somit überstanden werden können. Auch wenn mein Konto danach vermindert wurde, habe ich trotzdem genug Cash übrig, um einen neuen Angriff zu starten.

Ich empfehle Ihnen, diese Regel zu übernehmen. Wenn Sie bereit sind, das Ganze noch konservativer anzugehen und weniger als ein 1% pro Handel zu riskieren, kann ich Ihnen nur gratulieren. Ihre Chancen, länger als viele Andere zu überleben, werden dadurch nur steigen.


Risk vs. Reward (Risiko gegenüber Ertrag)

Ein weiterer wichtiger Teil von Money Management ist das Risiko/Ertrag Verhältnis. Das Risiko wird durch den „Stop“ bestimmt und der Ertrag durch das „Profitziel“. Es ist ratsam, ein Risiko/Ertrag Verhältnis von zwischen 2:1 und 3:1 anzupeilen. Wenn wir eine Position eröffnen und den Stop 50 Pips unter unserem Eröffnungspreis setzen, sollte das realistische Profitziel mindestens 100 bis 150 Pips über dem Eröffnungspreis liegen. Wenn wir so mit einem $10‘000 Konto $100 (1%) riskieren, aber mit dem Erreichen des Profitzieles zwischen $200 und $300 verdienen, sind wir auf einem idealen Weg. Wir können über die Hälfte aller Trades verlieren und sind langfristig doch profitabel.

Wenn bei einem potenziellen Handel das Risiko/Ertrag Verhältnis nicht über 2:1 liegt, ist es besser, auf den Handel zu verzichten.

Wie werden Profitziele berechnet? Und wo soll man die „Stops“ schon wieder hinsetzen? Vor jedem Handel müssen Sie sich genau bewusst sein, wo diese Punkte liegen.


Profitziele

Profitziele können auf verschiedene Arten berechnet werden. In den verschiedenen Themenbereichen dieser Webseite wurde eine ganz Reihe vorgestellt:

Chart Muster
Moving Averages
Runde Zahlen
Support/Resistance Zonen
Fibonacci Extensions
Pivot Points

Je mehr Werkzeuge man zur Berechnung von Profitzielen benutzen kann, desto besser. Ein Profitziel gewinnt an Bedeutung, wenn sich mehrere Indikatoren in der gleichen Zone überlappen.


Stops

Stops zu platzieren ist einer der schwierigsten Schritte überhaupt. Stops dürfen nicht zu nahe zum Einstiegspreis gesetzt werden, sonst werden sie schon bei kleinen Kursschwankungen ausgelöst. Werden sie aber zu weit weggesetzt, riskiert man entweder einen grösseren Verlust, oder es wird schwieriger innerhalb eines Risiko/Ertrag Verhältnisses von mindestens 2:1 zu bleiben. Alles in allem ist es eine sehr subjektive Angelegenheit, die viel Übung beansprucht. Auch hier gilt: Kontinuität ist König. Es ist ganz wichtig, Stops nicht zufällig mal so und mal so zu setzten. Wenn man sich einmal mit einer Methode angefreundet hat, sollte diese immer verwendet werden. Welche Methode man verwendet ist zweitranging, solange man sie konsequent durchzieht.

Ganz wichtig: Gewöhnen Sie sich von Anfang an daran, IMMER einen Stop zu setzen. Eine Position darf NIE ohne Stop eröffnet werden. Daher MUSS entschieden, werden wo der Stop hingesetzt wird, BEVOR die Position eröffnet wird. Wenn nach der Risiko/Ertrag Berechnung der Stop gesetzt wurde, darf der Stop nicht mehr weiter vom Einstiegspreis wegverschoben werden, da sonst die Risiko/Ertrag Berechnung nicht mehr stimmt. Wenn der Preis sich in die erwartete Richtung bewegt, kann man den Stop näher an den Anfangspreis setzten, oder sogar direkt darauf (break even), um das Risiko zu vermindern, aber nie weiter davon weg.


Stop Methoden

Vorherige Hochs und Tiefs

Stops können leicht über oder unter ein vorheriges Hoch oder Tief gesetzt werden.

picture

Auf diesem Chart sehen wir eine Support Zone, an welcher der Preis immer wieder drehte. Nehmen wir an, eine Position wurde vor Kurzem eröffnet, zum Beispiel nach dem Erscheinen einer Hammer Candle in einer Support Zone. Wo hätte man den Stop hinsetzen können? Eine Möglichkeit ist: unter den Hammer.

picture

Ein Blick nach links zeigt jedoch, dass die Zone noch tiefere Preise enthält. Es ist normalerweise besser, den Stop nicht nur unter den Hammer, sondern unter das tiefste Tief der Zone zu setzen. Damit steigen wir nur aus dem Handel aus, falls der Preis die gesamte Zone durchbricht.

picture


Runde Zalen, der ATR Indikator und die 78.6% Fibonacci Linie sind weitere Stop Methoden. Weiter »