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Einführung

von Andreas Rytz CFTe

Margin Call (Nachschussforderung)

Margin Call (Nachschussforderung) ist das Schreckgespenst im Forex-Handel und der Todesstoss für das Konto eines Händlers. Wie im letzten Abschnitt besprochen gilt die Marge ja als Sicherheitshinterlegung. Wenn der Markt sich gegen die Positionen eines Händlers bewegt und diese ins Negative rutschen, dann kann die verfügbare Marge sehr schnell wegschmelzen. Wenn die Gefahr besteht, dass die Verluste die verfügbare Marge überschreiten könnten, schliesst der Broker automatisch einige oder alle offenen Positionen, um weitere Verluste zu verhindern. Vom Eigenkapital des Händlers ist danach oft nur noch ein kleiner Prozentsatz übrig. Man muss also praktisch wieder von vorne anfangen und das Konto neu finanzieren. Normalerweise warnt einem der Broker, wenn man sich einem Margin Call nähert. Man könnte dann einen Margin Call verhindern, in dem man zusätzliches Geld in sein Konto einzahlt und dadurch die verfügbare Margin erhöht. In der Praxis ist dazu aber oft nicht genug Zeit, denn Kurse können in kürzester Zeit stark an Wert verlieren und in wenigen Stunden oder Tagen den verwendbaren Margin verschlingen.

Spielen wir unser vorheriges Beipiel etwas weiter und nehmen wir an, Sie haben 10‘000 Euro in ihrem Konto und die Leverage ist 100:1. Aber anstatt einem Standard Lot, kaufen sie gleich 5 Lots EUR/USD zum Kurs von 1.4550. Zur Deckung des Lots werden 5‘000 Euro beansprucht, 1‘000 Euro für jedes Lot, ersichtlich unter „Verwendete Marge“. Ihr verfügbarer Margin fällt ebenfalls von 10‘000 auf 5‘000.

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Bei einem Standard Lot ist jede Pip-Bewegung 10 Euro wert. Bei 5 Lots sind das 50 Euro pro Pip. Wenn der Kurs ansteigt, vermehrt sich ihr Guthaben mit jedem Pip um 50 Euro, bei 10 Pips Profit sind das leicht verdiente 500 Euro. Schnellt der Kurs um 20 Pips nach oben, haben Sie gleich 1000 Euro gewonnen, und das oft innert weniger Minuten. Sollte der Kurs wirklich ausbrechen und um 100 Pips ansteigen, hätten sie ihren Einsatz von 5‘000 Euro verwendet Marge verdopplt, ihr Guthaben wäre jetzt auf 15‘000.

Leverage und Marge sind aber ein zweischneidiges Schwert, und können auch in die andere Richtung schlagen. Jeder Pip Verlust kostet Sie 50 Euro bei 5 Lots. Nehmen wir an, der Kurs bewegt sich gegen Sie und fällt rasant ab. Bei 20 Pip Verlust, steht ihr verfügbare Margin grad mal noch auf 4‘000, bei 50 Pip Verlust noch bei 2,500. 50 Pips können in einem volatilen Markt sehr schnell erreicht sein. Nun hoffen und bangen Sie, dass der Kurs die Richtung dreht, damit Sie die 50 Pips Verlust zurückgewinnen. Aber unaufhaltsam fällt der Kurs weiter und sinkt nochmals 50 Pips ab für ein total von 100 Pips Verlust. Ihre gesamte verfügbare Margin wurde aufgebraucht und Sie erhalten einen Margin Call. Der Broker schliesst nun ihre Position EUR/USD zum aktuellen Preis, die 5‘000 verfügbare Margin sind verloren. Der Wert ihres Kontos hat sich in kürzester Zeit halbiert und sieht für das soeben durchgegangene Beispiel nun so aus:

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Es sollte das Hauptziel eines jeden Forex-Händlers sein, nie auch nur in die Nähe eines potenziellen Margin Calls zu kommen.
Es ist auch der Sinn dieser Webseite, Sie so gut auf Forex vorzubereiten, dass Ihnen Margin Calls erspart bleiben. Vor allem unvorbereitete Neueinsteiger werden fast garantiert mit voller Geschwindigkeit ins Verderben stürzen. Aber wenn man sich mit Disziplin an gewisse Regeln hält, ist es gar nicht so schwer, Margin Calls zu vermeiden. Leider fällt es aber vielen Händlern eben gerade am Schwersten, sich an Disziplin und an Regeln zu halten.

Zum Glück gibt es Möglichkeiten, sich gegen solche Horrorszenarien zu schützen, damit man gar nie in die Situation kommt, einen so grossen Teil seines Kontos zu riskieren. Einer dieser Schutzmassnahmen ist der „Stop Loss“, der Rettungsring im Forex-Ozean.

Stop Loss und Limit

Bei jedem Handel muss damit gerechnet werden, dass der Kurs nicht in die gewünschte Richtung ausschlägt, sondern in die Gegenrichtung tendiert. Falls der Kurs sich dann nicht korrigiert, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die verfügbare Margin verbraucht ist und man einen Margin Call erhält. Es gibt aber Möglichkeiten, sich gegen starke Kursverluste zu schützen.

Bevor man eine Order ausführt, sollte man sich IMMER erst überlegen, was ein akzeptabler Gewinn ist, und noch wichtiger, wie viel man bereit ist zu verlieren. ALLE Händler verlieren manchmal, und die grosse Mehrheit verliert öfters als sie gewinnet; dies trifft auch auf professionelle Händler zu.
Weiter schlimm ist das nicht, solange die gewonnene Summe der Gewinne höher ist als die der Verluste. Ich kann 5 Mal hintereinander 30 Pips verlieren mit einem Gesamtverlust von 150 Pips. Wenn ich beim 6. Mal 250 Pips gewinne, habe ich trotzdem einen Gewinn von 100 Pips.

Eine der wichtigsten Regeln im Forex ist, dass man Verluste IMMER limitieren soll. Die Handelsplattform bietet dazu ein fantastisches Werkzeug, welches Sie immer gebrauchen sollten: den „Stop Loss“. Mit dem Stop Loss kann ein Verlust begrenzt werden, indem man einer offenen Position eine Limite setze, wie weit sie sich gegen den eröffneten Kurs entwickeln darf.

Nehmen wir an, Sie eröffnen eine Position AUD/USD zum Kurs von 0.7240 Long. Zuvor haben Sie sich entschieden, einen Gewinn von 60 Pips anzupeilen. Sollte der Kurs auf 0.7300 klettern werden Sie die Position mit 60 Pips Profit schliessen. Auch haben Sie beschlossen, dass ein akzeptierbarer Verlust auf 20 Pips beschränkt sein soll. Wenn der Kurs auf 0.7220 fällt, werden sie die Position ebenfalls schliessen und einen Verlust von 20 Pips hinnehmen. Nun könnten Sie vor dem Bildschirm sitzen und warten, bis einer der zwei Zielkurse erreicht ist und dann die Position liquidieren. Meist bewegt sich der Kurs allerdings sehr schnell auf und ab, und bis sie auf die Ask Taste gedrückt haben und der Verkaufsauftrag ausgeführt wird, hat sich der Kurs schon wieder verändert.

Im Handelsfenster kann man deshalb schon im Voraus den gewünschten Profit und den akzeptierbaren Verlust festlegen. Sobald einer der beiden Konditionen erreicht ist, schliesst das Programm die Position automatisch. Das Profitziel wird als „Limit“ angegeben und der maximale Verlust als „Stop“.

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Hier öffnen wir eine Position AUD/USD 0.7240 Long und geben ein Limit Preis (Zielkurs) 0.7300 und ein Stop 0.7220.

Erst steigt der Preis etwas, erreicht den Zielkurs von 0.7300 aber nicht und beginnt dann zu sinken. Einige Minuten später erreicht der Kurs 0.7220 und der Stop wird ausgeführt. Die EUR/AUD werden vom Programm automatisch verkauft.

Falls der Kurs über die nächsten Stunden und Tage weiter sinkt, wäre möglicherweise unser verfügbarer Margin schlussendlich ausgeschöpft gewesen, und wir hätten einen Margin Call erhalten. Stops sind ein hervorragendes Werkzeug, um Verluste auf ein Minimum zu beschränken. Natürlich verliert niemand gerne Geld. Vielleicht wäre der Kurs ja kurz darauf wieder ins Positive geklettert und man hätte trotzdem einen Gewinn machen können. Dieser Versuchung den Stop wegzulassen und auf eine positive Kursänderung zu hoffen, dürfen Sie nie verfallen. Etwas vom Schwersten, was man im Forex lernen muss, ist, Verluste hinzunehmen, aber das gehört einfach dazu. Mit konsequenten Stops, kann man diese Verluste aber klein halten.

Die goldene Regel im Forex lautet: „Ich setze immer einen Stop bei JEDER eröffneten Position“.

Schreiben Sie sich diesen Satz auf und montieren Sie ihn sichtbar neben ihrem Handelscomputer.

Stops setzen gilt auch für Position, die wir Short eröffnen. Allerdings setzen wir den nicht unter dem eröffneten Kurs, sondern darüber. Beim Short handeln profitiert man ja wenn der Kurs sinkt. Deshalb setzen wir unser Limit Ziel unter der eröffneten Quote, und den Stop darüber.

Risiko/Rendite-Verhältnis

Nun, da wir Limit und Stop Loss besprochen haben, sollten wir uns noch kurz dem Thema Risiko/Rendite-Verhältnis widmen. Dabei handelt es sich um das Verhältnis zwischen der Rendite (Limit) und dem Risiko (Stop). Von vielen professionellen Händlern wird ein Verhältnis von 3:1 empfohlen. Das heisst der angepeilte Gewinn sollte 3 mal grösser sein als der riskierte Verlust, oder für jedes rsikierte Pip, sollte ein Ertrag von 3 Pips angestrebt werden. Wenn eine Position eröffnet wird, und ein vernüntiger Stop Loss ist 30 Pips vom Preis entfernt, muss der angestrebte Limit Zielpreis mindestens 90 Pips vom Kurs entfernt sein. Wenn in diesem Beispiel eine Rendite von 90 Pips nicht realistisch erscheint, sollte eher nicht gehandelt werden. Vielleicht ist es sicherer auf eine bessere Situation zu warten.

Rollover

Kursschwankungen sind nicht der einzige Weg, um beim Forex zu profitieren oder zu verlieren. Es fallen auch Zinsen an, die man entweder erhält oder bezahlen muss. Es gibt ganze Strategien, die darauf angelegt sind, von Zinsen zu profitieren - mehr dazu im Kapitel „Carry Trade“.

Massgebend sind die Nationalbankzinsen, welche von Land zu Land stark variieren können. Wenn ein Händler eine Währung mit einem hohen Zinssatz gegen eine Währung mit einem niedrigen Zinssatz kauft, erhält er Zinsen. Im umgekehrten Falle muss er Zinsen zahlen. Diese Rollover Zinsen werden täglich vom Broker entweder auf ihr Konto einbezahlt, oder vom Konto abgebucht. Normalerweise finden die Rollover um 17:00 (5pm) an der US Ostküste (Eastern Standard Time) bei Marktschluss in New York statt, können aber von Broker zu Broker variieren. Auch haben verschiedene Broker unterschiedliche Rollover Regeln. Einige Broker ziehen die Zinsen direkt von der offenen Position ab oder addieren sie zur offenen Position dazu. Andere buchen die Zinsen über den Kontostand. Informieren Sie sich bei Ihrem Broker wie er ihre Rollover Zinsen handhabt.

Es gibt verschiedene Arten wie man eine Position eröffnen kann - schauen wir uns diese mal näher an. Weiter »